Goldene Hochzeit – und nun?

Podiumsdiskussion zum Stand der deutsch-französischen Beziehungen

15.01.2013 | 18:30 - 20:00 | DGAP Rauchstr. 17 Berlin 10787 Berlin | Nur für geladene Gäste

Diskussion

Kategorie: Frankreich, Bilaterale Beziehungen

Wie steht es 50 Jahre nach Unterzeichnung des Elysée-Vertrags um das “couple franco-allemand“? Und wie haben sich die Beziehungen zwischen der deutschen und französischen Bevölkerung entwickelt? Darüber diskutierten der französische Botschafter Maurice Gourdault-Montagne, die Bundestagsabgeordneten Rolf Mützenich und Andreas Schockenhoff sowie die Frankreich-Expertinnen Sabine von Oppeln und Claire Demesmay in der DGAP.

Sabine von Oppeln, Rolf Mützenich, Maurice Gourdault-Montagne, Burkhard Birke, Andreas Schockenhoff und Claire Demesmay

Als Präsident De Gaulle und Kanzler Adenauer am 22. Januar 1963 den Elysée-Vertrag unterzeichneten, stand die Aussöhnung beider Länder nach den Weltkriegen im Vordergrund. Mittlerweile haben Deutschland und Frankreich einen einzigartigen Kooperationsmechanismus entwickelt. Obwohl die bilateralen Beziehungen nicht immer krisenfrei waren, haben die Partner in den zurückliegenden fünf Jahrzehnten viel erreicht.

Normalität

Angesichts dieses gemeinsamen Besitzstandes und dieser Routine lässt sich heute von einer gewissen Normalität in den deutsch-französischen Beziehungen sprechen, sagte Claire Demesmay. Dies gelte für die politische wie für die gesellschaftliche Ebene gleichermaßen.

Im Hinblick auf eine von ARD und Radio France durchgeführte Umfrage „Deutschland, Frankreich und Sie?“ erklärte Sabine von Oppeln, dass sich die wechselseitige Wahrnehmung deutlich gewandelt habe. So sei das Interesse am früher als „hässlich“ empfundenen Deutschland in Frankreich erheblich gewachsen.

Die Versöhnung beider Länder sei erreicht, unterstrich auch Botschafter Maurice Gourdault-Montagne. Dennoch berge Normalität auch immer die Gefahr der Gleichgültigkeit. Ein reger kultureller Austausch bleibe weiterhin die „Flamme der Annäherung“.

Rolf Mützenich unterstich, dass Normalität nur dann problematisch sei, wenn sie in Langeweile mündet. Dies sei bei Deutschland und Frankreich nicht der Fall, wenn man einen Blick auf die tagespolitische Agenda werfe, beispielsweise auf Frankreichs jüngsten Mali-Einsatz.

Auch wenn die Verschiedenheit beider Länder sich oft als wichtige Zutat im Erfolgsrezept der Zusammenarbeit erweise, bleibe noch genügend Stoff für Missverständnisse und Irritationen. Dazu zählten die unterschiedlichen Ansätze im Kampf gegen die europäische Schuldenkrise oder in der Energiepolitik.

Gemeinsame Aufgaben in Europa

Für die Zivilgesellschaft liege die Zukunft der deutsch-französischen Zusammenarbeit klar in Europa, erklärte Sabine von Oppeln. Botschafter Gourdault-Montagne betonte, dass beide Länder ihre Rolle als treibende Kraft in Europa so vielfältig wie möglich wahrnehmen müssten. Zentrale Bereiche seien die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und eine gemeinsame Strategie in der Migrationspolitik.

Auch bei dem Thema einer europäischen Mittelmeerpolitik müssten Deutschland und Frankreich eng zusammenarbeiten, sagte Andreas Schockenhoff. Rolf Mützenich mahnte zudem eine enge Einbindung Großbritanniens an, in einer Zeit, wo das Vereinigte Königreich Brüssel zunehmend den Rücken kehre.

Die Podiumsdiskussion war eine Kooperationsveranstaltung von DGAP, Freier Universität Berlin, ARTE, ARD, Deutschlandfunk und Radio France.

Podium

  • Maurice Gourdault-Montagne, Botschafter der Französischen Republik
  • Dr. Rolf Mützenich, MdB, Außenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion
  • Dr. Andreas Schockenhoff, MdB, stellv. Sprecher der CDU/CSU-Fraktion für die Bereiche Außen-Sicherheits- und Verteidigungspolitik
  • Dr. Sabine von Oppeln, Akademische Oberrätin und stellv. Leiterin der Arbeitsstelle Europäische Integration an der Freien Universität Berlin
  • Dr. Claire Demesmay, DGAP, Programmleiterin Frankreich
  • Burkhard Birke, Moderation, Deutschlandradio Berlin
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