Report

07. Dez. 2020

Good Governance & Öffentliche Innovation

Der Good Governance Guide des Goerdeler-Kollegs
Good Governance Guide Visual

Damit Staat und Gesellschaft ­zukunftsfähig werden, braucht es neue Formen der Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft. Anregungen wie man diese in der eigenen Organisation ­verankern und gesellschaftlichen Wandel bewirken kann bündelt dieser Good Governance Guide. Das Magazin enthält Fachwissen und praktische Erfahrung aus 20 Jahren Carl Friedrich Goerdeler-Kolleg für Good Governance.

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›GOOD GOVERNANCE‹ ­BESCHREIBT DEN ANSPRUCH, STAATLICHES HANDELN AN ETHISCHEN ­KRITERIEN ZU MESSEN. DAMIT IST GOOD ­GOVERNANCE ­GLEICHZEITIG ­SCHLÜSSEL UND ZIEL FÜR ­GESELLSCHAFTLICHE ­TRANSFORMATION. 

Die UN listen zehn Merkmale für gute Regierungsführung auf. Sie sei teilhabeorientiert, auf Kompromisse ­ausgerich­tet, verantwortungsvoll, transparent, ­nachhaltig, offen, effektiv und effizient, gerecht, inklusiv und folge Regeln und Gesetzen. Ein ganzes Spektrum, das vor allem eines symbolisiert: ­verantwort­liches Handeln, das Gemeinwohl im Blick. Dies sorgt dafür, dass die Vielfalt derer zu Wort kommt, deren Stimme oftmals marginalisiert ist, Korruption ­abnimmt, politische Entscheidungsprozesse nicht hierarchisch von oben nach unten verlaufen – und all das dem Wohl der Bevölkerung zugutekommt.

Das Goerdeler-Kolleg richtete den Fokus dabei auf drei dieser Kategorien: Transparenz, Partizipation, Gemeinwohl.

  

 

TRANSPARENZ BEDEUTET: 

alle Entscheidungen so treffen, dass das Wie, Warum, Wer nachvollziehbar sind. Jede Verwaltungseinheit, im Ministerium wie im Verband, muss in der Lage sein, über ihr Handeln präzise zu informieren.

PARTIZIPATION BEDEUTET: 

alle Betroffenen einzubeziehen. ­Gesellschaftliche Probleme nachhaltig lösen, indem man die Perspektiven ­diverser Akteure berücksichtigt und divergierende Interessen friedlich ­aushandelt.

GEMEINWOHL BEDEUTET: 

alle im Blick zu haben. Pläne und ­Ent­scheidungen auf die Diversität an Perspektiven auszurichten, die eine Gesellschaft ausmacht – auch in kommenden Generationen. Also dabei nachhaltig zu denken. Auf Konsens aus sein, Beteiligung ermöglichen, um Benach­teiligung auszuschließen. 

GOOD GOVERNANCE

in der ­Regierungsführung ist notwendig, aber reicht nicht aus, um eine Gesellschaft mit diesen Werten zu erfüllen. Verantwortlich sind wir alle zusammen: für die Entscheidungen, die wir treffen; und die Macht, die wir damit ausüben. Etwa, indem wir diese Macht einsetzen, um den »Good«-Anteil unseres Handelns zu ­erhöhen.

 

GOVERNANCE ALS REFORMKONZEPT

Die Rolle der Verwaltung im politischen Prozess: Wer warum welche Entscheidungen treffen muss – das Konzept für erfolgreichen Wandel im öffentlichen Sektor.

DER HINTERGRUND

»Governance bezeichnet eine veränderte Sichtweise des Regierens, der Institutio­nen, Strukturen und Prozesse des ›Politikmachens‹, des Policy Making, der Politikformulierung und -umsetzung. Neue Formen der Kooperation zwischen staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren, der horizontalen Koordination und Integration, von Vertrauen und Legitimität sind verstärkt in das Aufmerksamkeitsfeld der Forschung geraten und gelten als Chance, um politische Gestaltungs­spielräume zu gewinnen. Governance als neuartiges Konzept des Regierens stellt damit das traditionelle Verständnis und Instrumentarium politischer Verhaltensweise und Steuerung infrage. Diese Veränderungen betreffen vor allem die öffentliche Verwaltung: wegen ihrer Rolle als zentrale Instanz für die Vorbereitung und Umsetzung (und gerade auch Durchsetzung) von Politik(-inhalten).« 

DIE AKTEURE

»Aus der Sicht der ­Verwaltungspolitik waren die Neunzigerjahre ­international ohne Zweifel das Jahrzehnt des Manage­ments. Bei ›Governance‹ stehen nun die Bevölkerung und die Zivilgesellschaft mit im Fokus: Es kommt darauf an, ­gesellschaftliche Akteure in die Problem­bewältigung einzubinden, sie zu moti­vieren und aktivieren, um sie nicht länger von oben herab, top down, zu steuern oder zu versorgen. Ein zentra­les Ziel: keine soziale ›Exklusion‹ ­gesellschaftlicher Gruppen, Nachbar­schaften oder ­Regionen. Niemandem, weder am ­unteren Ende der ­Sozialskala noch am oberen Ende, soll erlaubt werden, sich aus der gesellschaftlichen Verantwortung zu stehlen. Die ­neuen Ziele ­lauten also – neben Effizienz und Dienstleistungsorientierung, die ­durch­aus weiter gelten sollen – Stärkung von sozialer, politischer und administra­tiver Kohäsion, von politischer und gesell­schaftlicher Beteiligung, von bürgerschaftlichem und politischem Engagement. Auf lokaler Ebene wurde in diesem Zuge das Modell der Dienstleistungs­kommune zu dem der Bürgerkommune weiterentwickelt.« 

DIE MERKMALE  

INTER- STATT INTRA-ORGANISATORISCHE PERSPEKTIVE

»Governance thematisiert das Zusammenspiel unterschiedlicher Organi­sationen (innerhalb und außerhalb des öffentlichen Sektors) in Netzwerken. Die ›Policy Outcomes‹, umfassendere Wirkungen und Auswirkungen, sind wichtiger als kurzfristige ›Outputs‹ «. 

 

NETZWERKE STATT MARKT UND HIERARCHIE

»Netzwerkartige ­Steuerungsformen als Alternative zu traditioneller ­hierarchischer Steuerung; ­Vertrauen und ­informelle Verhaltensnormen werden betont. Die Verwaltung als Initiator, Moderator und Förderer von Netzwerken zwischen staatlichen und nicht-staat­lichen Akteuren.«

KOMBINATION VON STEUERUNGSFORMEN (MIX OF MODES)

»Im Fokus steht die Kombination ­verschiedener Steuerungsmodi, um mehr Potenziale zu entfalten; etwa in Form von Public-Private-Partnerships, ­Koproduktion, Bürgerkommunen.«

DIE UMSETZUNG

»Modern Governance bedeutet zuge­spitzt: die Kombination von weniger Staat mit mehr Politik, also gesellschaftlicher Beteiligung.« »Der Fokus wechselt von der einzelnen Organisation oder Behörde zur Koordination unterschiedlicher, öffentlicher und privater, gesellschaft­licher und ökonomischer Akteure und von ökonomischen und regulativen Anreizen und Sanktionen zu ­normativen oder kognitiven Weltbildern. Dazu ­g­­ehören Solidarität, Vertrauen und ­ähn­liche ›weiche‹ ­Steuerungsmodi. Es geht um institutionelle Regeln für ­gemeinwohlverträgliches Verhalten.«

DIE FOLGEN 

»Das Governance-Konzept hat im Zuge des politischen Wettbewerbs der Verwaltungspolitik neue Impulse gegeben und sie erweitert hinsichtlich a) der Problemsicht: über Effizienz hinaus auf Effektivität und Kohärenz; b) der Perspektive: über einzelne Organisationen hinaus auf interorganisatorische Beziehungen und nicht-staatliche Akteure; c) der Lösungen: über den Markt hinaus auf Netzwerke, Gemeinschaft, die Kombination aller Governance-Formen und die Bedeutung institutioneller Arrangements.

Und das künftige Leitbild? ›Open Go­vernment‹ etwa, mit datengetriebener Verwaltung, mehr Transparenz durch soziale Medien und die Digitalisierung von Staat und Gesellschaft. Verwaltungs­modernisierung ist vor allem eins: ein ewiger Lernprozess.«

Werner Jann ist ­Professor (em.) für Politikwissen­schaft, Verwaltung und Organisation an der Universität Potsdam und begleitete das Kolleg viele Jahre als Dozent zum ­Thema Governance. 

QUELLE

Jann & Wegrich, Governance und Verwaltungspolitik, 2010, S. 193 – 214.

Jann & Bogumil, Verwaltungs­wissenschaft(en) in Deutschland, 2020, S. 45 – 52.

Den kompletten Good Governance Guide können Sie hier herunterladen: PDF 56 Seiten, 1,8MB

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Bibliografische Angaben

Leifert, Claire Luzia. “Good Governance & Öffentliche Innovation.” December 2020.

Der „Good Governance Guide“ wurde 7.12.2020 veröffentlicht. ISBN 978-3-00-067654-3, 56 Seiten + Poster.

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