Kritik der Iran-Analysen unter Präsident Rohani

Von Dämonisierung zu Glorifizierung

7. October 2017 - 0:00 | von Ali Fathollah-Nejad

Oliver Ernst (Hrsg.), Iran-Reader 2017: Beiträge zum deutsch-iranischen Kulturdialog, S. 9-24 und S. 191-194.

Kategorie: Iran

Bei der Betrachtung vieler politischer Analysen zu Iran – seit der Amtsübernahme von Präsident Hassan Rohani im August 2013 – kommt man nicht umhin, eine deutliche Umkehr in der Tendenz der politischen Berichterstattung zu konstatieren: Während Iran zu Zeiten seines Vorgängers Mahmoud Ahmadinejad als nichts weniger als die Inkarnation des Bösen porträtiert wurde, so erscheint dasselbe Land heutzutage in nahezu gleißendem Licht positiver Berichterstattung.

Wohlgemerkt, beide Narrative waren und sind kaum geeignet, um die komplexen Realitäten in der Islamischen Republik nüchtern zu erfassen. Sicherlich kann die Euphorie vieler Kommentatoren angesichts der Ablösung des Rechtspopulisten Ahmadinejad nachvollzogen werden, eine Beschönigung der Lage unter Rohani ist allerdings kaum zu rechtfertigen. Bei vielen Iran-Analysen der letzten Jahre konnte man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass diese getrieben waren vom Wunschdenken sowie dem politisch motivierten Anliegen, die in Gang gekommenen Atomverhandlungen und den darauffolgenden Annäherungsprozess zwischen dem Westen und Iran, durch eine wohlwollende Berichterstattung zu stützen. Eine Glorifizierung der Verhältnisse ist zudem sicherlich weiteren Faktoren geschuldet, u.a. dem auch bei jungen Exil-Iranern anzutreffenden übersteigerten Nationalismus, der Irans Rückkehr auf die großen Bühnen internationaler Politik zelebriert und jedwede Kritik an der Islamischen Republik im besten Falle hintenanstellt.

Den Volltext finden Sie im Iran-Reader auf der Webseite der KAS.

In dem Sammelband findet sich noch ein weiterer Text von Ali Fathollah-Nejad (auf Englisch): Ausblick auf den Hafis-Dialog 2017: Cultural and Academic Relations between Iran and the West after the Nuclear Deal: Policy Recommendations

 
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