70 Jahre DGAP: Forschung, Diskurs und Austausch

Eine datenbasierte Retrospektive im Rahmen des Junge DGAP Fellowships

Seit ihrer Gründung im Jahr 1955 begleitet die DGAP die außenpolitischen Debatten Deutschlands, knüpft Netzwerke und schafft strategische Plattformen. Im Rahmen des Jungen DGAP Fellowships hat Anica L. Falkenau die historischen Jahresberichte systematisch ausgewertet. Die interaktive Visualisierung zeigt, wie sich Rednerinnen und Redner, Studiengruppen und das Präsidium entwickelt haben.

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Die Geschichte der DGAP ist geprägt von außenpolitischen Umbrüchen – von der Westbindung der Bundesrepublik über die Wiedervereinigung bis hin zur heutigen geopolitischen Neuordnung. Die datenbasierte Retrospektive zeigt, dass die DGAP stets ein Spiegel und Motor außenpolitischer Debatten war.

 

Über das Forschungsprojekt „Fellowship zum 70-jährigen Jubiläum der DGAP“

Die DGAP ist seit ihrer Gründung ein zentraler Knotenpunkt außenpolitischer Expertise und politischer Vernetzung. Die datenbasierte Analyse zeigt zentrale Entwicklungslinien:

  1. Internationale Reichweite: Eine interaktive Weltkarte veranschaulicht die Herkunft ausgewählter internationaler Gastredner der DGAP und verdeutlicht deren globale Vernetzung.
  2. Studiengruppen als strategische Plattformen: Seit 1962 bieten die DGAP-Studiengruppen vertrauliche Räume für den Austausch zwischen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Eine Visualisierung zeigt die Entstehung und Transformation der DGAP-Studiengruppen seit 1962.
  3. Thematische Entwicklungen: Eine Analyse der Forschungsschwerpunkte zeigt, wie sich der inhaltliche Fokus der DGAP im Laufe der Jahrzehnte verschoben hat.
  4. Zusammensetzung des Präsidiums: Die Visualisierung zeigt, wie sich die Rolle des Präsidiums als strategisches Steuerungsgremium über die Jahrzehnte verändert hat.

Dieser datenbasierte Ansatz macht sichtbar, wie die DGAP als Ideenschmiede für die außenpolitische Debatte fungiert und sich kontinuierlich an neue Herausforderungen anpasst.

Historische Wurzeln: Der Gründungsaufruf von 1955

Bereits in ihrem Gründungsaufruf vom 12. März 1955 legte die DGAP den Grundstein für ihre Mission, außenpolitische Forschung, Diskurs und Vernetzung zu fördern. Ein zentraler Auszug aus diesem Dokument verdeutlicht das damalige Selbstverständnis:

"Die bisherigen Erfahrungen haben eindringlich gezeigt, welch schweren Mängeln das Zustandekommen der außenpolitischen Meinungsbildung bei uns noch unterliegt und wie sehr die auf diesem Gebiet entscheidend wichtigen persönlichen Fühlungnahmen systematisch gepflegt werden müssen. [...] Es ist an der Zeit, ein unabhängiges Zentrum zu schaffen, das der außenpolitischen Forschung und Unterrichtung dient und zugleich ein Forum für private Zusammenkünfte mit einflussreichen auswärtigen Besuchern bildet."

Diese Leitgedanken prägen die Arbeit der DGAP bis heute und spiegeln sich in ihrer globalen Vernetzung und thematischen Breite wider.

Methodik

Die retrospektive Untersuchung basiert auf den Jahresberichten der DGAP, die Einblicke in die thematische Entwicklung, Netzwerke und Forschungsschwerpunkte der vergangenen Jahrzehnte geben. Anica L. Falkenau hat jeden Bericht seit 1977 manuell analysiert und relevante Daten extrahiert. Eine KI-gestützte Auswertung war nicht möglich, da viele ältere Dokumente nicht digital vorlagen und ihre uneinheitliche Formatierung eine automatisierte Verarbeitung verhinderte. Die daraus entstandenen Visualisierungen, erstellt mit Infogram und RStudio, eröffnen einen neuen, datenbasierten Zugang zur Geschichte der DGAP.

 

1. Internationale Reichweite der DGAP: Eine Weltkarte ausgewählter internationaler Redner

Mit Rednern aus über 100 Ländern und einer Vielfalt an Themenfeldern bietet die DGAP eine Plattform, die Brücken zwischen Regionen, Kulturen und Interessen schlägt. Besonders hervorzuheben ist die Förderung des transatlantischen Dialogs, der europäischen Integration und der Zusammenarbeit mit Schwellenländern.

Die interaktive Weltkarte gibt einen Überblick über die Herkunft ausgewählter internationaler Gastredner der DGAP. Erfasst wurden ausschließlich Staats- und Regierungschefs sowie hochrangige Vertreter auf Ministerialebene, die eine öffentliche Rede in der DGAP gehalten haben. Nicht aufgenommen wurden Konferenzen, Workshops oder Hintergrundgespräche, da deren Vielzahl und unvollständige Dokumentation eine systematische Erfassung erschwert. Diese Visualisierung macht die globale Reichweite der Organisation sichtbar und zeigt, dass die DGAP regelmäßig hochrangige Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft willkommen heißt.

Schlüsselaspekte der internationalen DGAP-Reichweite:

  • Hohe Präsenz von Rednern aus Europa, Nordamerika und Asien
  • Wachsende Beteiligung aus dem Nahen Osten und Afrika südlich der Sahara
  • Themenschwerpunkte mit Fokus auf Sicherheitspolitik, Wirtschaft, Klimapolitik und Technologie

Diese globale Vernetzung spiegelt sich in der strategischen Agenda Deutschlands und Europas wider und unterstreicht die Rolle der DGAP als zentraler Akteur im außenpolitischen Dialog.

 

 

 

 

2. Studiengruppen: Motor strategischer Debatten

Seit 1962 bilden die Studiengruppen das Rückgrat der DGAP-Arbeit. Sie schaffen vertrauliche Räume für den interdisziplinären Austausch und haben sich im Laufe der Zeit thematisch stark gewandelt. Die erste Studiengruppe widmete sich der Rüstungskontrolle – heute stehen auch Digitalisierung, Klimapolitik und Geoökonomie im Fokus. Eine grafische Aufbereitung dokumentiert diese Entwicklung und verdeutlicht, wie die DGAP durch ihre Studiengruppen stets am Puls der Zeit agiert.

Warum Studiengruppen entscheidend sind:

  • Sie identifizieren Zukunftsthemen und erarbeiten praxisnahe Handlungsempfehlungen
  • Sie sind interdisziplinär besetzt und vernetzen Expertise aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft
  • Sie reagieren flexibel auf neue Herausforderungen und setzen strategische Impulse

Diese detaillierte Grafik visualisiert Gründungsjahre und thematische Schwerpunkte der Studiengruppen und verdeutlicht ihre Rolle als Katalysatoren für strategische Debatten.

 

Studiengruppen als die "Methode Kaiser": Ursprung und Inspiration

Karl Kaiser, ehemaliger Direktor der DGAP, setzte mit seiner Methode Maßstäbe: Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven kommen zusammen, um in einem konstruktiven Rahmen pragmatische Strategien zu entwickeln. Diese Methode ist nicht nur das Fundament der Studiengruppen, sondern auch ein Vorbild für interdisziplinäre Zusammenarbeit bis heute.



 3. Arbeitsbereiche am Forschungsinstitut

Die DGAP hat sich stets kontinuierlich weiterentwickelt, um geopolitische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Veränderungen strategisch zu begleiten. Das dargestellte Projekt veranschaulicht die thematische Entwicklung des Forschungsinstituts der DGAP über die letzten 20 Jahre und zeigt, wie sich inhaltliche Schwerpunkte an neue Herausforderungen angepasst haben. Während einige Themen über lange Zeiträume hinweg eine zentrale Rolle spielten – etwa die starke Russland- und Osteuropa-Expertise –, haben sich andere weiterentwickelt oder sind neu hinzugekommen. So wurde der Fokus von Globalisierung und Weltwirtschaft zur Geoökonomie verschoben, um die zunehmende strategische Bedeutung wirtschaftlicher Abhängigkeiten und Handelskonflikte zu reflektieren. Auch der Bereich Sicherheitspolitik wurde weiter gefasst und umfasst heute verstärkt technologische und hybride Bedrohungen.

Die strategische Neuausrichtung im Jahr 2019 markierte einen wesentlichen Wendepunkt in der Arbeitsweise des Forschungsinstituts. Statt primär regionaler Betrachtungen stehen seither fünf thematische Schwerpunkte im Zentrum der DGAP-Analyse: Geoökonomie, Technologie & Digitalisierung, Sicherheit, Internationale Ordnung & Demokratie sowie Migration. 2021 wurde zudem Klimaaußenpolitik als eigenständiges Forschungsfeld an der DGAP etabliert. Unverändert bleibt dabei der übergeordnete Rahmen: Alle Themen sind in die strategische Debatte über die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik im europäischen Kontext eingebettet. Besonders die Russland- und Osteuropa-Expertise bleibt essenziell – von der langjährigen Forschung zu Russland, Ukraine, Belarus und Zentralasien bis hin zu aktuellen Analysen zur Ordnung und Governance in Osteuropa.

Neben der inhaltlichen Weiterentwicklung spielen auch methodische Innovationen eine zentrale Rolle. Das Leadership-Programm für Nachwuchsführungskräfte stärkt gezielt Talente, die außen- und sicherheitspolitische Verantwortung übernehmen. Das Think Tank Lab wiederum treibt neue Ansätze im Think Tanking voran, verbessert die strategische Kommunikation wissenschaftlicher Erkenntnisse und vernetzt Forschung, Politik und Praxis. So entwickelt sich die DGAP nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell weiter, um ihre Rolle als führender außen- und sicherheitspolitischer Think Tank in Deutschland zu festigen.

 

4. DGAP-Präsidium: Analyse der Zusammensetzung seit 2004

Das ehrenamtliche Präsidium der DGAP ist das strategische Steuerungsgremium der Gesellschaft. Es setzt sich aus gewählten und ernannten Mitgliedern zusammen und hat entscheidenden Einfluss auf die inhaltliche Ausrichtung der DGAP. Die datenbasierte Analyse zeigt, wie sich die Zusammensetzung des Präsidiums in den letzten 20 Jahren verändert hat und welche Schwerpunkte es gesetzt hat.

Das Präsidium setzt sich aus dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten und bis zu 25 von der Mitgliederversammlung gewählten Mitgliedern sowie bis zu 15 weiteren vom Präsidenten ernannten Mitgliedern zusammen, es kommt als Gesamtgremium mindestens einmal im Jahr auf Einladung des Präsidenten oder des Vizepräsidenten zusammen.

Aufgaben des Präsidiums:

  • Strategische Beratung und Richtungsentscheidungen für die Gesellschaft
  • Impulse für die außen- und sicherheitspolitische Debatte
  • Steuerung der wissenschaftlichen und finanziellen Ausrichtung

Das Präsidium kann Ausschüsse einsetzen, darunter einen Wissenschaftlichen Beirat und einen Finanzausschuss. Diese Gremien unterstützen sowohl das Forschungsinstitut als auch die finanzielle Strategie der Gesellschaft.

Die folgenden Grafiken analysieren die Zusammensetzung des Präsidiums in den letzten 20 Jahren aus zwei Perspektiven: Einerseits in Bezug auf die Entwicklung hinsichtlich der politischen Hintergründe der Mitglieder, andererseits hinsichtlich ihrer Branchenzugehörigkeit.

Die erste Grafik zeigt, dass Präsidiumsmitglieder ohne Parteizugehörigkeit über die Jahre hinweg stets die größte Einzelgruppe bildeten. Zudem lässt sich ein klarer Trend erkennen: Das DGAP bemüht sich zunehmend, Fachkompetenzen über das politische Establishment hinaus in seine Arbeit einzubinden – erkennbar am Anstieg der Mitglieder aus Wirtschaft, Medien und Zivilgesellschaft.

Gleichzeitig veranschaulicht die zweite Grafik, dass Mitglieder mit politischem Hintergrund kumuliert durchgehend die größte Gruppe stellen (zwischen 34-50 Prozent). Die wachsende Vielfalt der vertretenen Branchen bestätigt diesen Kurs und zeigt, dass sich das Präsidium breiter aufstellt.

 

 

 

Das Junge DGAP Fellowship: Datenanalyse trifft Außenpolitik

Das Junge DGAP Fellowship bietet Nachwuchstalenten die Möglichkeit, datengetriebene Forschungsprojekte zu realisieren. Mit der datenjournalistischen Retrospektive "70 Jahre DGAP" wurde ein innovativer Zugang zur Geschichte der DGAP geschaffen, der zeigt, wie außenpolitische Forschung, Diskurs und Austausch die deutsche und internationale Politiklandschaft geprägt haben.

Erfahren Sie mehr über die Geschichte der DGAP sowie zu aktuellen Projekte des Jungen DGAP Fellowships auf unserer Landingpage.