Korea, getrennt oder vereint

28.02.2012 | 08:30 - 10:00 | DGAP | Nur für geladene Gäste

Expertengespräch

Kategorie: Südkorea

Wie stehen die Chancen für eine Wiedervereinigung Koreas? Was unternimmt die südkoreanische Regierung, um die Annäherung an Pjöngjang voranzutreiben? Wie kann sie dabei von der deutschen Erfahrung profitieren? Über diese und weitere Fragen sprach der Minister für Wiedervereinigungsfragen der Republik Korea, Woo-ik Yu, am 27. Februar in der DGAP.

Woo-ik Yu, Minister für Wiedervereinigungsfragen der Republik Korea

Seit Jahren versuche Seoul, das Verhältnis zu Pjöngjang zu entspannen und auf eine friedliche Wiedervereinigung hinzuarbeiten, sagte Yu. Bisher seien jedoch alle Versuche an der harten Haltung des Nordens gescheitert. Nordkorea befinde sich in einer wirtschaftlich schwierigen Lage und sei innerhalb der internationalen Gemeinschaft isoliert. Zudem herrsche durch den jungen und unerfahrenen neuen Machthaber große Unsicherheit über den künftigen Kurs des Landes. Pjöngjang müsse sich entscheiden, die bisher verschlossene Tür zu öffnen, den Teufelskreis aus Armut und Isolation zu durchbrechen und das Leben seiner Bürger zu verbessern. „Jetzt ist die Zeit gekommen, nicht nur zu reden, sondern aktiv zu handeln.“

Seoul sei bereit, gemeinsam mit Pjöngjang Lösungsmöglichkeiten zu suchen und zu finden. Die Regierung Südkoreas habe nicht die Absicht, das nordkoreanische System  ins Wanken zu bringen oder umzustürzen, betonte Yu. „Wir wollen den Weg zu gemeinsamem Wohlstand und Wiedervereinigung bereiten.“

Aus der deutschen Wiedervereinigung habe er gelernt, dass eine geteilte Nation sich nicht darauf beschränken dürfe, die Teilung zu verwalten. Vielmehr müsse sich Südkorea auf die Wiedervereinigung aktiv vorbereiten. Dazu sei es nötig, einen ständigen Gesprächskanal zwischen Nord- und Südkorea aufzubauen und wichtige Nachbarländer wie China, Japan und Russland in die Verhandlungen einzubeziehen. Er habe zudem im Parlament einen Gesetzesvorschlag eingebracht, einen Fonds für Wiedervereinigung einzurichten, für den die südkoreanischen Bürger im In- und Ausland spenden können. Dieser „Topf für die Wiedervereinigung“ biete den Bürgern Südkoreas die Möglichkeit, sich aktiv an dem Prozess zu beteiligen. Yu hofft, damit in den nächsten 20 Jahren 50 Mrd Dollar zu sammeln, um den Aufbau Nordkoreas im ersten Jahr der Wiedervereinigung zu finanzieren. Problem sei, dass der Wille zur Wiedervereinigung bei der jüngeren Generation abnehme.

Korea könne viel von der deutschen Wiedervereinigung lernen, was den Umgang mit den zu erwartenden Kosten, die Überführung einer Planwirtschaft in die Marktwirtschaft und den Umgang mit Flüchtlingen angehe. Zudem biete sich Deutschland als Vermittler zwischen Nord- und Südkorea an, da die Bundesrepublik als einer der ersten westlichen Staaten sowohl eine Vertretung in Seoul als auch in Pjöngjang eingerichtet habe und ein deutsches Expertengremium die südkoreanische Regierung beim Prozess der Wiedervereinigung berate. Es lohne sich jedoch nicht darauf zu setzen, dass die nordkoreanische Bevölkerung sich gegen ihren Machthaber erhebe. „Die Nordkoreaner haben keine Erfahrung mit einer Zivilgesellschaft und leben ohne Informationen über die Außenwelt. Ein Nordkoreanischer Frühling ist deshalb dort nicht zu erwarten.“ 

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