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Executive Summary
Die transatlantischen Beziehungen sind in eine neue Ära eingetreten. Die Trump-Administration verknüpft die Androhung wirtschaftlicher Zwangsmaßnahmen – Strafzöllen und nicht-tarifären Maßnahmen – mit außenpolitischen Zielen. Damit erschüttert sie das Fundament der Wertegemeinschaft. Zugleich hat die Grönland-Episode gezeigt: Ein geeintes Europa ist alles andere als machtlos.
Dieser Bericht argumentiert, dass Europa seine Stärken und Schwächen gegenüber den USA genau kennen sollte. Er untersucht, in welchen Bereichen Europa von den USA abhängig ist, aber auch, wo die Vereinigten Staaten auf Europa angewiesen sind. Vier Aspekte werden beleuchtet: Handelspolitik, Technologie, Verteidigung und Rüstung.
Wirtschaftlich verfügt die Europäische Union durch den Binnenmarkt, ihre regulatorische Gestaltungsmacht und industrielle Abhängigkeiten über reale, wenn auch fragile Hebel – fragil, weil interne Spaltungen und die Eskalationsdominanz der USA eine schnelle und glaubwürdige Reaktion Europas erschweren. Im Technologiebereich ist Europas Abhängigkeit von US-amerikanischer Digitalinfrastruktur erheblich, doch Marktgröße, der Brüssel-Effekt und industrielle Stärken schaffen reale Verhandlungsmacht. Wenn es um Sicherheit und Rüstung geht, ist die Asymmetrie am deutlichsten: Europa ist auf amerikanische Sicherheitsgarantien und Waffensysteme weit mehr auf die USA angewiesen als umgekehrt. Druckstrategien in diesem Bereich sind daher weitgehend kontraproduktiv.
Die zentrale Empfehlung dieses Berichts ist eine Doppelstrategie: Kurzfristig sollte Europa die „Trennungskosten“ für die USA erhöhen – eine Entkoppelung sollte für Washington komplex, kostspielig und strategisch unattraktiv werden. Mittelfristig gilt es, die europäische Vulnerabilität zu verringern.
Empfehlungen
Handlungsfähige Handelspolitik
- Glaubwürdige rote Linien ziehen: Jede Zolldrohung muss automatisch zur Aktivierung des Anti-Coercion-Instruments führen
- Vergeltungsmaßnahmen als defensive Maßnahme der Abschreckung kommunizieren, nicht als anti-amerikanische Eskalation
- Den Umgang mit China als gemeinsame strategische Herausforderung herausstellen, die eine enge EU-US-Koordination erfordert
Technologie und digitale Infrastruktur
- Politisches Kapital auf Bereiche konzentrieren, in denen Europa bereits unverzichtbar ist
- Regulierung und Anreize neu ausbalancieren, um Europas Innovationsfähigkeit zu stärken
- Einfluss in Koalitionen ausüben – mit Japan, Südkorea und Indien, aber auch den USA
Transatlantische Sicherheit
- NATO-Planungsziele zügig umsetzen, um Vulnerabilität zu senken und das Bündnis zu stärken
Rüstung
- Europäische Komponenten tief in US-Waffensysteme integrieren, um Trennungskosten zu erhöhen
- Kritische Abhängigkeiten von der US-Rüstungsindustrie langfristig durch Alternativen verringern – auch durch Kooperationen mit Großbritannien, Kanada, Japan und Australien