Dieser Auszug zeigt die Einleitung des Kapitels »Frieden und Klimawandel«. Der vollständige Text findet sich in: Vinke und Bulut (2026). Frieden und Klimawandel. In: Gießmann, Rinke, und Engels (Hrsg.), Handbuch Frieden. Springer VS, Wiesbaden. Zum Buch
Einleitung
Die von Wetterextremen geprägten vergangenen Jahre haben gezeigt: alle Krisen und Konflikte der Gegenwart finden bereits in einem veränderten Weltklima statt. Dies stellt fragile, aber auch stabile Staaten vor wachsende Herausforderungen. Sicherheits- und Umweltkrisen sind eng miteinander verflochten. Um den Möglichkeitsraum für künftigen Frieden zu erhalten, ist ambitionierter Klimaschutz unerlässlich.
Deutschlands erste Nationale Sicherheitsstrategie, die 2023 verabschiedet wurde, verweist auf drei Säulen von Sicherheit und somit auch die Voraussetzung für Frieden: Wehrhaftigkeit, Resilienz und Nachhaltigkeit. Damit werden Klimafolgen, Biodiversitätsverlust und Ernährungsunsicherheit in der dritten Säule als Teil eines erweiterten integrativen Sicherheitsbegriffs als Handlungsfelder identifiziert. Auch in Bezug auf Resilienz werden die Implikationen der Nachhaltigkeitstransformation sichtbar in der Nationalen Sicherheitsstrategie. Denn die Versorgung mit kritischen Rohstoffen über zu verlässige Lieferketten ist entscheidend für die Implementierung der Energiewende und die übergeordneten Ziele des Europäischen Green Deals.
Die internationale Klimapolitik steht zunehmend unter Druck, nicht nur durch die physischen Folgen des Klimawandels, sondern auch durch die Erosion politischer Verlässlichkeit im multilateralen System. Besonders sichtbar wurde dies durch den wieder holten Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen nach der Wiederwahl Donald Trumps zum US-Präsidenten im November 2024. Dies stellt eine erhebliche Zäsur für die transatlantischen Beziehungen und die internationale Klimapolitik dar. Zudem sieht sich auch die Wissenschaft, insbesondere die Klima- und Klimafolgenforschung in den Vereinigten Staaten unter vehementem Druck und politischer Einflussnahme. Forschende warnen vor der möglichen Einschränkung des Zugangs zu zentralen US-Klimadaten, welcher weit reichende Folgen hätte. Zum einen für die Wissenschaft, wenn langjährige Datenreihen unterbrochen werden, zum anderen in der praktischen Anwendung, etwa bei der Krisenprävention, die auf akkurate Vorhersage von Extremwetterereignissen angewiesen ist und evidenzbasierte Entscheidungsgrundlagen für wirksamen Katastrophenschutz braucht.
Diese Entwicklungen verdeutlichen, wie stark eine wirksame Klimapolitik von einer stabilen internationalen Ordnung abhängig ist und wie geschwächte Klima- und Umweltinstitutionen Sicherheitsrisiken bedeuten können.
In diesem Kapitel „Frieden und Klimawandel“ werden verschiedene Dimensionen dieses Zusammenhangs beleuchtet. So wird erörtert, wie die Klimakrise dem Frieden im Wege steht und Konflikte begünstigt. Anschließend werden Auswirkungen von Kriegshandlungen und Friedensprozessen auf das Klima thematisiert. Im Einzelnen werden dann friedensfördernde Maßnahmen im Kontext des Umgangs mit der Klimakrise behandelt: Umweltbezogene Friedensförderung, Klimafinanzierung in fragilen Staaten, konfliktsensible Anpassungs- und Emissionsminderungsprojekte, und Klimamainstreaming in Stabilisierungsprojekten. Als Fallbeispiel für das Potenzial der Nachhaltigkeitstransformation für regionale Integration und Stabilität wird der Bau größerer Offshore Windanlagen in der Ostsee diskutiert. Abschließend steht ein Fazit über die viel schichtigen Verbindungen zwischen Klimakrise und Frieden.