Das Vereinigte Königreich und die Europäische Union

Welche Auswirkungen hätte ein britischer Austritt auf die EU und ihre Partner? Perspektiven aus Europa und der Welt

31. August 2014 - 0:00 | von Almut Möller, Tim Oliver

DGAPanalyse 16, 1. September 2014, 120 S. (in englischer Sprache)

Kategorie: Europäische Union

Die Möglichkeit eines Austritts des Vereinigten Königreichs aus der EU – genannt „Brexit“ – erfährt wachsende Aufmerksamkeit. Im Vereinigten Königreich füllen Analysen hierzu inzwischen Regale, wobei sich die meisten ausschließlich der Frage widmen, was ein Austritt für das Land selbst bedeuten würde. Bisher haben sich wenige Studien mit den möglichen Auswirkungen eines „Brexits“ auf die EU, einzelne Mitgliedstaaten und den Rest Europas und der Welt als auch auf deren Beziehungen zur EU befasst.

© European Union, 2014

Angesichts der zunehmend unsicheren britischen EU-Perspektive ist eine ebensolche Studie von Belang. Diese Analyse versammelt 26 Perspektiven aus Forschungsinstituten und Universitäten aus sechzehn EU-Ländern, neun Staaten außerhalb der EU – darunter die USA, China, Japan und Singapur – und den Brüsseler Institutionen. Auf diese Weise zeigt sie ein breites Spektrum verschiedener nationaler Standpunkte zur Zukunft des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union. Darüber hinaus geben die Beiträge einen Eindruck davon, wie andere Länder die britische Europadebatte wahrnehmen.

Die britischen Handlungsmöglichkeiten erscheinen momentan begrenzt. Während die Europawahlen im Mai 2014 durchaus auch in anderen Teilen Europas Unzufriedenheit mit der EU dokumentiert haben, sieht es nicht danach aus, also ob sich andere EU-Regierungen auf einer Linie mit London befinden. In weiten Teilen Europas werden zwar einige Kritikpunkte und Reformvorschläge Londons durchaus als legitim wahrgenommen, doch nicht die Verfolgung dieser Agenda einzig und allein aus nationalem Interesse. Ähnlich herrscht die Wahrnehmung, dass London mit einem Austritt droht, um sich eine günstige Verhandlungsposition gegenüber der EU zu verschaffen.

In ihren Schlussfolgerungen argumentieren Almut Möller und Tim Oliver, dass London mehr tun und effektivere Koalitionen bilden muss, wenn es die laufende EU-Reformdebatte entlang seiner Präferenzen beeinflussen will. Der einseitige Fokus der britischen Regierung auf Deutschland und die gleichzeitige Vernachlässigung der Beziehungen mit früheren Partnern in Mittel- und Osteuropa oder den nordischen Ländern hat dazu geführt, dass sich London momentan außen vor wiederfindet. Diese Position könnte leicht zu einem Austritt führen – entweder indem Großbritannien selbst aktiv die EU verlässt, oder indem die anderen EU-Länder ihre Union so vertiefen, dass Großbritannien letztlich ausgeschlossen wird.

Unabhängig davon, ob es jemals zu einem „Brexit“ kommen wird, zeigen die Beiträge, dass die Art und Weise, wie die aktuelle britische Europadebatte wahrgenommen wird, über viele Jahre hinaus den Platz des Vereinigten Königreichs in der EU prägen wird.

Herausgegeben von Almut Möller und Tim Oliver, mit einem Vorwort von Alexander Stubb, Ministerpräsident Finnlands.

In englischer Sprache.

 
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