Kreative Wirtschaft als Motor der wirtschaftlichen Stärke Indonesiens

Indonesiens Tourismusministerin über neue ökonomische Wege

09.03.2012 | 08:30 - 10:00 | DGAP | Nur für Mitglieder

Diskussion

Kategorie: Indonesien

Was steckt hinter dem wirtschaftlichen Aufstieg Indonesiens? Welche Rolle spielt darin die „Kreative Wirtschaft? Und wie können Deutschland und Indonesien auf diesem Gebiet kooperieren? Über diese und weitere Fragen sprach die Ministerin für Tourismus und Kreative Wirtschaft der Republik Indonesien, Dr. Mari Elka Pangestu, anlässlich des 60-jährigen Bestehens der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Indonesien am 9. März 2012 in der DGAP.

Indonesien habe einen weiten Weg zurückgelegt und sich von einem armen, autokratisch regierten Land zu einer Demokratie mit florierender Wirtschaft entwickelt, sagte die Ministerin für Tourismus und Kreative Wirtschaft der Republik Indonesien, Mari Elka Pangestu. Die globale Finanzkrise 2008 habe ihr Land aufgrund des großen Binnenmarktes und seiner natürlichen Ressourcen nicht so hart getroffen, wie beispielsweise Europa oder die USA. Nur so konnte Indonesien 2011 ein Wachstum von 6,5 % erwirtschaften. Diese Entwicklung habe den Inselstaat zum „Land der Stunde“ bei Investoren aus dem In- und Ausland gemacht. Doch die Regierung müsse aufpassen, dass diese Entwicklung sich nicht in eine Investmentblase verwandle. Wenn zu viel Geld in zu kurzer Zeit in das Land fließe, könne dies zur Überschwemmung des Kapitalmarktes führen.

Die indonesische Wirtschaft profitiere zudem von den hohen Erträgen der Tourismusbranche. 2009 sei der Tourismussektor bereits um 9,5 % im Vergleich zum Vorjahr gewachsen. Diese Entwicklung habe sich in den vergangenen Jahren weiter fortgesetzt, sagte Pangestu. Um die Zahlen der Touristen im Land noch zu steigern, plane ihr Ministerium, das Profil Indonesiens zu schärfen und es als multikulturelles, modernes und demokratisches Land zu vermarkten. „Viele Leute wissen gar nicht, dass Indonesien nicht nur aus Bali, sondern aus über 16 000 Inseln besteht.“, sagte Pangestu. Daher müsse das Tourismusministerium in den nächsten Jahren dafür sorgen, dass die außergewöhnliche Vielfalt und Schönheit des Landes hervorgehoben und zu einer „Marke“ werde.

Pangestus Ministerium, das 2011 nach britischem Vorbild geschaffen wurde, ist neben dem Tourismus auch für die Kreative Wirtschaft zuständig, einer Kombination aus traditionellem Handwerk in neuem Gewand. Dazu zähle etwa die indonesische Batikkunst, die durch den Einsatz moderner Technik zur Herstellung von Stoffmustern für Kleidung, Schuhe und andere Textilprodukte verwendet und in großen Mengen exportiert werde. Daher sei es nicht verwunderlich, dass die ertragreichsten, kreativen Subsektoren – Film, Mode und IT – 2011 rund 7 % der indonesischen Arbeitsplätze stellten. Sie hoffe, in den kommenden Jahren die Zusammenarbeit mit anderen Ländern, besonders mit Deutschland, auf dem Gebiet der kreativen Wirtschaft und des Tourismus auszubauen, sagte Pangestu. Ein Beispiel für die kreative Zusammenarbeit Deutschlands und Indonesiens sei der Film „Children of Srikani“, über Homosexuelle, die Rolle von Frauen sowie Religion in Indonesien, der bei der diesjährigen Berlinale gezeigt wurde.

Nach Ansicht der Tourismus-Ministerin sind weitere Anstrengungen nötig, um den Sprung vom Schwellenland zum Industrieland zu schaffen Dazu sei es wichtig, die Infrastruktur auszubauen sowie eine rechtliche Grundlage zum Schutz geistigen Eigentums zu schaffen. 

Veranstaltungen
DGAP in den Medien
Meistgelesen