Konflikte und Versöhnung heute

04.07.2019 | 11:00 - 16:00 | Berlin Deutschland | Nur für geladene Gäste

Diskussion

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Am 4. Juli diskutierten internationale Expertinnen und Experten, wie das deutsch-französische Modell der Versöhnung und Zusammenarbeit auf andere zwischen- und innerstaatliche Konflikte übertragen werden kann. Erfahrungen aus der Versöhnungsarbeit in Südkorea, Südafrika und aus dem Balkan bereicherten die Debatte. Dr. Claire Demesmay, Leiterin des Programms Frankreich/ deutsch-französische Beziehungen, moderierte die Veranstaltung.

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Der Veranstaltung ging ein Workshop voraus, in dem die Referent*innen und Referenten unter anderem erarbeiteten, wie die deutsch-französische Annäherung im Ausland wahrgenommen wird. Zu Beginn der Podiumsdiskussion ging Frau Prof. Nicole Colin von der Universität Marseille/Aix-en Provence auf die Lehren ein, die man aus diesem Workshop gezogen werden ziehen könnekönnten.  Sie betonte, wie wichtig es gewesen sei, die Diskussion weltweit auszuweiten. Zentral sei die Frage gewesen, ob und inwiefern sich internationale Expertinnen und Experten *innen für aktuelle Konflikte in Friedensprozessen an der deutsch-französischen Methode orientieren können. Man In diesem Zmüsse in diesem Zusammenhang müsse betont werdenallerdings auch betonen, dass die deutsch-französischen Beziehungen nicht immer positiv rezipiert werden würden. Dr. Claire Demesmay betonte, dass man bei Betrachtung derim Austausch mit Perspektiven Außenstehendenr auch das Bewusstsein darüber erhöht geschärft werden müssee, was bei der Annäherung Deutschlands und Frankreichs seit 1945 eigentlich alles erreicht wurdeworden sei.

Probleme der geschichtlichen Aufarbeitung

Prof. Dong-Ki Lee Herr Prof. Lee  von der Gangneung-Wonju National University in Südkorea ging im Anschluss auf die Situation zwischen Südkorea und Japan ein. Die deutsch-französischen Beziehungen seien lange als historisch wertvolles Beispiel angesehen worden. Seit etwa zehn Jahren habe sich die Situation allerdings geändert. So werdeürde man nun insbesondere die geschichtliche Aufarbeitung Japans als Voraussetzung für die Versöhnung Südkoreas mit Japan hervorgehoben heben – in Anlehnung an das Beispiel Deutschlands. In Südkorea kritisiere man werde daher daher die japanische Geschichtspolitik erheblich kritisiert und  dränge sodamit  Japan in die Defensive gedrängt. Lee forderte hier ein Umdenken. Man müsseEs müsse nicht die historische Aufarbeitung vorangstellt stellenwerden, die schließlich auch bei Deutschland erst langsam vorangegangen sei, sondern es müsse auf eine Vertiefung der Kontakte und Verbindungen beider Länder gesetzt werden setzen.

Cécile Cécile Blaser von der Universität Freiburg/Schweiz berichtete danach von ihrem Forschungsgebiet, der Südostinitiative auf dem Balkan und deren Jugendbegegnungen. Sie beschäftigte sich mit der Frage, ob sich auch in diesem Fall die deutsch-französischen Beziehungen als exportierbares Modell eignen würden. Die eigentlich wünschenswerte, aber staatlich verordnete Geschichtsaufarbeitung bringe jedoch einige Schwierigkeiten mit sich, sagte sie. Frau Blaser warf zudem die Frage auf, was Aufarbeitung eigentlich sei und wie man „richtig“ an einen  Krieg erinnere.

Hatten die Referent*innen und Referenten vorher über zwischenstaatliche Konflikte geredet, berichtete Herr Dr.Dr. Jan Hofmeyr vom Institute for Justice and Reconciliation, Kapstadt, nun von einem dem innerstaatlichen Konflikt im Fall Südafrikas und den Problemen bei der Aufarbeitung der Apartheid. In Südafrika gab es zwar die bekannte „Truth and Reconciliation Commission“, die allerdings nur mit einem sehr limitierten Mandat ausgestattet wurde. So behandelte sie nur Fälle schwerer Menschenrechtsverletzungen zwischen 1960 und 1994. Themen wie wirtschaftliche Entrechtung und intergenerationale Übertragung von Benachteiligungen würden seien nicht angesprochen worden, erklärte Hofmeyr.

Man habe sich so nurNur mit einer bestimmen Form der Vergangenheit habe sich die Kommission auseinandergesetzt und nicht mit den bis heute andauernden Folgen, wie Ungleichheiten und Armut, die insbesondere die farbige Bevölkerung Schwarze treffen würdenbetreffen. Stattdessen wurde werde insbesondere von den politischen Eliten das Narrativ einer „Regenbogennation“ vorangetrieben – nach dem Motto, Versöhnung sei habe man bereits „abgehakt“. Die nach 1994 Geborenen, die  man oft als „Born Free“-Generation bezeichnet werden, wiesen besonders auf diese dauerhaften Missstände hin.

Kultur als Mittel der Verständigung

Prof. Lee ging ebenfalls auf das Engagement jüngerer Generationen ein. So sei beispielsweise die koreanische Musikrichtung K-Pop in Japan sehr beliebt und auch Austauschprogramme fänden statt. Nur die Älteren – und konservative Medien – hätten damit oft ein Problem.

Dr. Demesmay griff den Punkt von Popkultur und Musik auf – denn dies sei in Sachenbei der  Verständigung vielleicht ein leichteres Thema als die Vergangenheit. Auch Prof. Colin meinte, dass man die Kulturvermittlung gestärkt stärken werden müsse. So würden insbesondere zivilgesellschaftliche Akteure einen wichtigen Beitrag leisten, die nicht unbedingt Versöhnung im Kopf hätten, aber sondern aus Interesse oder Gefallen an Musik und Kunst zusammenarbeitteten, hier einen wichtigen Beitrag leisten. Auch das Thema eines deutsch-französischen gemeinsamen Geschichtsbuches wurde aufgegriffen. Das  – so wurde das Buch wurde in vielen Ländern positiv aufgenommen und beispielsweise ins Japanische und Koreanische übersetzt.

Auch auf dem Balkan spiele Kulturvermittlung eine wichtige Rolle – insbesondere bei der jüngeren Generation, so Frauagte Blaser. Sie berichtete aus einem Projekt zur historischen Aufarbeitung, in dem die jugendlichen Teilnehmer*innen und Teilnehmer aus Serbien, Bosnien und Kroatien in ihrer Freizeit gemeinsam ein Hip-Hop-Konzert besuchten.

Nach ihren Inputs beantworteten die Referentt*innen und Referenten dann noch Fragen aus dem Publikum. In diesem Zusammenhang wurde insbesondere die Schwierigkeit von Kulturprojekten besprochen, und inwieweit Kultur, die schließlich auch Konflikte schaffe, als schlichtendes Element betrachtet werden könne.

Bedeutung von Bildung im Kontext von Versöhnung

Zum Schluss stellte  Dr. Demesmay die Frage, welche die erste Amtshandlung der Referent*innen und Refernten in der Rolle eines /einer Versöhnungsminister*ins oder einer Versöhnungsministerin wäre. Für Dr. Hofmeyr wäre Bildung die oberste Priorität, denn in Südafrika gäbe gebe es große Disparitäten, die zu ganz unterschiedlichen Lebenserfahrungen führten würden. Frau Blaser ergänzte, wie wichtig es auch auch sei, um seine Rechte zu wissen und darum, wie man für sie einstehen könne. Außerdem müssten sich e man die Menschen für den Umgang mit Konflikten wappnen. Prof. Colin kam zum Thema Kultur zurück und unterstrich, dass man auch über die Probleme, die Versöhnungsprozesse begleiten, geredet reden werden müsse. Im Falle von Deutschland und Frankreich geschehe das beispielsweise zu selten – daher seien eben insbesondere Geschichten mit positiver Wendung ein wichtiges Beispiel. Prof. Lee schloss sich dem an, denn schließlich gebeäbe es verschiedene Wege der Versöhnung. Es sei allerdings wichtig, dass viele verschiedene Akteure Initiative zeigten.

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