Sigmar Gabriel erinnert an Sylke Tempel

Außenminister appelliert: Außenpolitik vermitteln! Europa erklären!

11.12.2017 | 19:00 - 20:00 | Atrium der Deutschen Bank Berlin | Nur für geladene Gäste

Vortrag

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Mit einer bewegenden Rede erinnerte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel am Montagabend an Dr. Sylke Tempel, die jüngst verstorbene Chefredakteurin der von der DGAP herausgegebenen Zeitschriften Internationale Politik und Berlin Policy Journal. Zugleich appellierte er dafür, Außenpolitik, die Rolle Deutschlands in der Welt und die Bedeutung Europas breiter und überzeugender in der Gesellschaft zu vermitteln.

© DGAP/Dirk Enters

„Wir müssen unsere Rolle in der Welt klarer definieren“, sagte er. Wenn die nächste Generation etwas zu sagen haben wolle, dann brauche sie eine geeinte Stimmte Europas. Es dürfe nicht nur unter Experten und mit den Eliten des Landes über die Bedeutung von Außenpolitik gesprochen werden, sagte er. „Sylke Tempel konnte das hervorragend!“

Gabriel verwies in seiner Rede auf aktuelle Themen wie den Brexit, den Rückzug der USA als internationaler und transatlantischer Akteur und die jüngste Erklärung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen.

Sylke Tempels kluge Stimme zu diesen Themen werde mehr denn je vermisst, sagte er. Gerade sie habe diese Themen überzeugend vermitteln können. Die DGAP spiele als Mitgliederorganisation mit ihrem Netzwerk und regionalen Niederlassungen eine wichtige Rolle, um Außenpolitik weiter und breiter zu erklären.

Sylke Tempel war am 5. Oktober 2017 während des Sturms Xavier tödlich verunglückt, als sie auf der Rückreise von einem Hintergrundgespräch mit dem Außenminister war. Gabriel hatte zu Beginn seiner Rede sichtbar berührt an den Tag erinnert.

Er zitierte Sylke Tempel, die gewarnt hatte, dass der Rückzug der USA aus der internationalen Politik ein Vakuum hinterlassen werde, das von anderen Akteuren schnell gefüllt werden würde. China sei heute das einzige Land der Welt, das mit einer geostrategischen Vision unterwegs sei.

Gerade vor diesem Hintergrund sei die europäische Zusammenarbeit wichtig. Deutschland werde durch Europa Souveränität gewinnen, nicht verlieren. „Wir müssen mal sagen, wofür Europa in 20 Jahren steht! Unsere Kinder werden später zu großen Fragen in der Welt nichts zu melden haben, wenn Europa nicht mit einer Stimme spricht.“

Der Schlachtruf der Brexiteers in Großbritannien sei die europäische Variante des Trump’schen Amerikas. Nicht Gemeinsamkeiten und Werte, sondern Differenzen stünden bei beiden Abschottungsbewegungen im Vordergrund. Dem müsse Europa etwas entgegenstellen.

Erneut zitierte er Sylke Tempel, die gesagt hatte, ausgerechnet das Land, das uns in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg vor dem Rückfall in reaktionäre Zeiten bewahrt hat, falle jetzt ins Reaktionäre zurück.

Gabriel lobte die jüngsten Europa-Initiativen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron: „In Sachen Europa steht es, wenn es um Initiativen geht, im Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich gerade 10:0 für Frankreich.“

Zu US-Präsident Trumps international umstrittener Ankündigung, die US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, erklärte er, dies sei ein „außerordentlich riskanter Schritt“, den Washington im Übrigen ohne internationale Abstimmung vorgenommen habe. „Wir sehen das Schwinden der Chancen einer Zweistaatenlösung mit großer Sorge.“

Gabriel erinnerte an das „Außenpolitische Manifest“, an dem sie nur wenige Tage vor ihrem Tod noch mitgewirkt hatte.

Darin setzte sie sich gemeinsam mit DGAP-Direktorin Daniela Schwarzer und anderen Experten dafür ein, das transatlantische Verhältnis gerade in Zeiten Trumps nicht aufzugeben.

Gabriel betonte, dass der Dialog mit anderen US-amerikanischen Akteuren – Gouverneuren, Bürgermeistern, zivilgesellschaftlichen Gruppen – nun in der deutschen Außenpolitik an Bedeutung gewinne.

„Sylke Tempels Manifest ist nun zu einem Vermächtnis geworden“, sagte Gabriel.

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