Der USA-Vorsitz des Arktischen Rates

Kooperation inmitten von Spannungen

Datum
11 September 2015
Uhrzeit
-
Ort der Veranstaltung
DGAP, Berlin, Deutschland
Einladungstyp
Nur für geladene Gäste

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Angesichts der ambitionierten Agenda 2015-2017, in deren Fokus sowohl klimapolitische Fragen als auch die Verbesserung der Wirtschafts- und Lebensbedingungen und die Gewährleistung sicheren Schiffverkehrs in der Region liegen, ist Kooperation zwischen den acht Mitgliedstaaten des Rates wichtiger denn je. Hon. Fran Ulmer, Vorsitzende der US Arctic Research Commission, wie auch Arne Riedel, Koordinator Arktis und Fellow am Ecologic Institute in Berlin, betonten, dass bis jetzt noch keine Einschränkung der Zusammenarbeit in den Arbeitsgruppen des Arktischen Rates bemerkbar sei. Auch die Agenda der kommenden zwei Jahre sei wie in der Vergangenheit in enger Abstimmung mit den übrigen Mitgliedstaaten erstellt worden.

Vor allem im Bereich der Forschung sei die Kooperation internationaler Partner weiterhin eng. Als besonders erfolgreiches Beispiel für die funktionierende internationale Kooperation nannten die Diskussionsteilnehmer die Einigung um ein Verbot der unkontrollierten Fischerei im Arktischen Ozean, auf das sich die Anrainerstaaten im Juli dieses Jahres geeinigt hatten. Es wurde deutlich, dass Kooperation und das Ausklammern von sicherheitspolitischen Themen aus dem Arktischen Rat von allen Seiten ausdrücklich gewünscht sind.

Darüber hinaus widmete sich die Diskussion der Frage, welche Rolle die Beobachterstaaten des Arktischen Rates in Zukunft einnehmen sollten. Die Aufnahme von fünf asiatischen Staaten, darunter China und Indien, war im Jahr 2013 auf Kritik gestoßen. Diesbezüglich sahen einige Teilnehmer die Interessen indigener Bevölkerungsgruppen in der Arktis gefährdet, während andere explizit dafür eintraten, noch weiteren Ländern den Beobachterstatus zu gewähren. Auf diesem Weg solle eine größere internationale Abstimmung über die Arktis betreffende Politikfelder erreicht werden – besonders in Hinblick auf Umwelt- und Klimapolitik und deren globale Auswirkungen. Der Beitritt Chinas als Beobachterstaat sei vor allem durch ein starkes Erkenntnisinteresse im Bereich der Arktis-Forschung motiviert.

Zuletzt nahm die Diskussionsrunde die fehlende und in weiten Teilen veraltete Infrastruktur in der Arktis in den Blickpunkt. Da die wirtschaftliche Entwicklung der Region trotz Umweltrisiken weiter voranschreite, warnen Experten vor möglichen Katastrophen, auf welche die Anrainerstaaten nicht oder nur unzureichend vorbereitet seien. Aufgrund der momentan niedrigen Gas- und Ölpreise sei vorerst zwar kein Ansturm auf arktische Naturressourcen zu befürchten, der Abbau entwickele sich aber dort, wo Fördermöglichkeiten bereits jetzt zu geringeren Kosten umsetzbar seien. Ulmer und Riedel waren sich darin einig, dass Schiffsverkehr und großflächige Förderung von Öl und Gas zwar zunehmen würden, jedoch nur in dem Tempo, in dem sich parallel Infrastruktur in der Region entwickle.

Dr. Henning Riecke, Programmleiter USA/Transatlantische Beziehungen der DGAP moderierte die Diskussion. Insgesamt nahmen rund 35 Gäste aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen teil. Die Veranstaltung wurde unterstützt von der Fritz Thyssen Stiftung und der Botschaft der Vereinigten Staaten in Berlin.

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