Fast ein Fünftel der Frankfurter war noch nie in Słubice

Das International Diplomats Programme beschäftigte sich mit der grenzübergreifenden Zusammenarbeit

27.06.2012 | 08:30 - 18:30 | DGAP | Nur für geladene Gäste

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Ein gemeinsames Wappen für beide Städte, eine gemeinsame Buslinie oder die Förderung der jeweiligen Nachbarsprache: Während eines Programmtages in Frankfurt (Oder) und Słubice informierte sich das 4. International Diplomats Programme über die verschiedenen Aspekte der Kooperation zwischen beiden Partnerstädten. Dazu gehört auch der gemeinsame Kampf um den Erhalt von Arbeitsplätzen.

Einen schweren Schlag für die wirtschaftliche Entwicklung der beiden Oder-Städte bedeutete dabei die Ankündigung des Solarmodulherstellers „First Solar“, noch in diesem Jahr seine beiden Werke zu schließen. Dies erfuhren die Teilnehmer des 4. International Diplomats Programme im Gespräch mit Christian Hirsch, Pressesprecher der Stadt Frankfurt und Sören Bollmann vom Kooperationszentrum Frankfurt – Słubice.

Frankfurt sei nun in Gesprächen mit dem Land Brandenburg über eine Kofinanzierung der fehlenden Einnahmen, erläuterte Bollmann. Zudem suche man nach Möglichkeiten, den etwa 1000 Beschäftigten eine Perspektive zu bieten, die ihre Arbeitsplätze mit der Schließung der Werke verlieren werden. Außerdem bemühe man sich um neue Investoren. Die könnten eventuell bald von polnischer Seite kommen, deutete der Bürgermeister von Słubice, Tomasz Ciszewicz, bei einem Empfang am Abend an und betonte, dass bei allen Plänen der Stadt Słubice stets auch die Interessen von Frankfurt bedacht würden.

Nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene sind die beiden Städte verflochten. Im Bereich der Bildung herrscht seit Jahren eine enge Zusammenarbeit. In Frankfurt gibt es bereits deutsch-polnische Kindergärten, nächstes Jahr wird der erste auf polnischer Seite eröffnet. Dennoch: 18 Prozent der Bürger von Frankfurt waren noch nie in Słubice. Für Sören Bollmann ein Anreiz, die grenzübergreifende Zusammenarbeit weiter zu vertiefen und bürgernah zu gestalten.

Die Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschen war allerdings nicht immer erwünscht, erläuterte Dr. Krzysztof Wojciechowski vom Collegium Polonicum, einer deutsch-polnischen wissen­schaft­lichen Einrichtung. In seiner Darstellung der Geschichte der beiden Nachbarländer ging er auch auf die Schwierigkeiten ein, die die Gründung des Collegium Polonicum begleiteten. So zeigten zu Beginn vor allem die deutschen Studenten wenig Interesse an den Kursen über Polens Geschichte und Sprache.

Über mangelndes gegenseitiges Interesse kann sich der Direktor der Europa-Universität Viadrina, Botschafter a.D. Dr. Gunter Pleuger, heutzutage nicht mehr beklagen. Im Gespräch mit den Diplomaten stellte er das internationale Profil der Universität vor. Nicht nur deutsche und polnische Studenten schätzen das umfangreiche Angebot der Universität - inzwischen kommen sie auch aus Kanada, Georgien oder der Türkei.

Das International Diplomats Programme ist eine Initiative des Auswärtigen Amts und der BMW Stiftung Herbert Quandt, die mit Unterstützung der DGAP durchgeführt wird. Jährlich werden 12 junge Diplomaten aus dem Nahen und Mittleren Osten, Nordafrika, Süd-, Ost- und Südostasien eingeladen, Deutschland anhand dieses einjährigen englischsprachigen Programms aus vielfältigen Perspektiven zu erleben.

weitere Informationen

Senta Höfer, senta.hoefer@diplo.de, 030 1817-4838

Sarah Hasselbarth, sarah.hasselbarth@diplo.de, 030 1817-1086

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