Botschaftermatinee: Dänemark

18.01.2012 | 18:00 - 20:00 | DGAP Rauchstr. 17 10787 Berlin | Nur für geladene Gäste

Kategorie: Dänemark, Europäische Union

Welche Ziele verfolgt die neue dänische Regierung? Welche Pläne hat sie für die EU-Ratspräsidentschaft? Wie gut sind die Beziehungen zwischen Deutschland und Dänemark? Diese und weitere Fragen diskutierten die Teilnehmer der „Botschaftermatinée“ am 18. Januar 2012.

Bernd Henningsen, Per Poulsen-Hansen, Sabine Porn und Knud Romer

In den letzten Jahren habe der Ruf Dänemarks als liberales und fortschrittliches Land etwas gelitten, sagte der dänische Botschafter Per Poulsen-Hansen. Das läge daran, dass die damalige rechts-konservative Regierung die Einwanderungsgesetze verschärft und einen Streit um Grenzkontrollen entfacht habe. Zudem habe sich Dänemark in dieser Zeit innerhalb der EU zunehmend isoliert. Die neue, sozialdemokratisch geführte Regierung, die seit Herbst amtiere, sei jedoch auf einem guten Weg. Dies zeige sich unter anderem daran, dass sie die Grenzkontrollen abgeschafft hat, die Einwanderungsgesetze ändern und die ökologische Entwicklung in allen Bereichen vorantreiben werde.

Auch bei der EU-Ratspräsidentschaft habe sich die dänische Regierung zum Ziel gesetzt, Klimawandel und Globalisierung innerhalb der EU stärker in den Mittelpunkt zu stellen und sich aktiv an der Lösung der Euroschuldenkrise zu beteiligen. Die dänische Regierung verstehe die Ratspräsidentschaft als „Arbeitspräsidentschaft“, in der sie für grünes und nachhaltiges Wachstum in  Europa eintrete, Europa international mehr Gewicht verschaffen wolle und sich für eine starke Union der 27 EU-Mitglieder engagiere, sagte Botschafter Poulsen-Hansen. Dies bedeute jedoch nicht, dass das skandinavische Land in dieser Legislaturperiode der Euro-Zone beitreten werde, denn die Mehrheit der Bevölkerung lehne einen solchen Schritt weiterhin ab.

Die neue dänische Regierung sei zwar europafreundlich eingestellt, aber in großen Teilen der Bevölkerung gebe es weiterhin Vorurteile gegenüber der EU, sagte Professor Dr. Bernd Henningsen, Professor für Skandinavistik und Kulturwissenschaft an der Humboldt Universität in Berlin. „Die Dänen müssen sich entscheiden, ob sie mit am Tisch sitzen oder sich in die heimische Sicherheit flüchten wollen.“ Nach Ansicht der Regierung in Kopenhagen komme Deutschland innerhalb der EU eine Führungsrolle zu. Die Dänen hätten keine Angst vor einem starken Deutschland, da sie den Minderwertigkeitskomplex als „kleiner Partner“ des großen Nachbarn längst abgelegt hätten. Auch im kulturellen und wirtschaftlichen Bereich seien die Beziehungen zu Deutschland gut, könnten aber noch weiter ausgebaut werden. Nach Meinung des Botschafters sollte man deshalb den Deutschunterricht in dänischen Schulen wieder verpflichtend einführen, um das Verständnis für Geschichte, Sprache und Kultur des Nachbarlandes zu fördern.

Dass die deutsch-dänischen Beziehungen heute so gut funktionierten, sei keine Selbstverständlichkeit, sagte der dänische Literaturwissenschaftler, Autor und Schauspieler Knud Romer. Als Sohn einer Deutschen und eines Dänen begegnete er in seiner Kindheit in Dänemark in den 1960er Jahren vielen Ressentiments gegenüber Deutschen, die in der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg wurzle. Seine damaligen Erfahrungen verarbeitete er in seinem Roman „Wer blinzelt, hat Angst vor dem Tod“, der 2006 erschien. Heute habe sich die Stimmung aber dank der EU und den offenen Grenzen gewandelt, betonte er.  

Die Veranstaltungsreihe „Botschaftermatinée“ ist eine Medienkooperation der DGAP mit Inforadio Berlin-Brandenburg. Jeden zweiten Monat stellt ein deutschsprachiger Botschafter sein Land vor und diskutiert darüber mit zwei Experten. Die Sendung wird am 22. Januar ab 11.05 Uhr im Inforadio Berlin-Brandenburg ausgestrahlt. Infos: www.inforadio.de

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