Trauer um Roman Herzog

11. January 2017 - 0:00

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Mit Roman Herzog verliert Deutschland einen engagierten Politiker, der die Debatte um Werte und Interessen in der Außenpolitik vorangebracht hat. Insbesondere hat er wie kein anderer deutscher Bundespräsident die Beziehungen zu Polen verbessert.

© Reuters/Russell Boyce

Bei einem Besuch in unserem Haus hielt er 1995, sechs Jahre nach Ende des Kalten Krieges, eine visionäre Rede zu unserem 40. Jahrestag.

Das bipolare System existiere nicht mehr, aber eine neue Weltordnung sei nicht in Sicht. Soziale, ökologische und kulturelle Ungleichgewichte seien zusätzliche Sicherheitsrisiken, die den militärischen langfristig an Gefährlichkeit kaum nachstünden. Nicht schwarzseherischer Realismus oder träumerischer Idealismus seien die Antwort, sondern ein Pragmatismus, der wisse, dass risikoscheues Nichthandeln auf Dauer risikoreicher sein könne als risikobereites Handeln.

Dazu gehöre die Einsicht, dass es in der Außenpolitik mitunter nützlicher sei, Partner zu gewinnen als Auseinandersetzungen; dass es wichtiger sein könne, auf die Würde anderer zu achten als auf die eigene zu pochen; dass es manchmal wirksamer sei, Recht zu geben als Recht zu behalten. Nötig sei vor allem eines: mehr Wissen über mehr Staaten.

Roman Herzog schloss mit einem Appell, an den wir uns bis heute halten: Mobilisieren Sie Ihre analytische Kapazität, nutzen Sie Ihr institutionelles Gedächtnis, schaffen Sie Vertrauen durch Ihre internationalen Netzwerke, öffnen Sie Ihr Forum für fairen Dialog.

Wir verneigen uns in Trauer vor einem großen Bundespräsidenten, den wir in ehrender und dankbarer Erinnerung behalten werden.

 
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