Die DGAP trauert um Reinhard Schlagintweit

25. October 2018 - 0:00

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Die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. trauert um Botschafter a.D. Reinhard Schlagintweit, ihren ehemaligen geschäftsführenden stellvertretenden Präsidenten. Er verstarb am 13. Oktober 2018 in Starnberg im Alter von 90 Jahren.

© UNICEF/Rudi Tarneden

Reinhard Schlagintweit war der DGAP nicht nur als Mitglied über Jahrzehnte eng verbunden. Von 1993 bis 1996, noch in der Zeit der Bonner Republik, engagierte er sich als geschäftsführender stellvertretender Präsident. Im April 1997 übernahm er in einer zweiten Amtszeit erneut diese Position bis August 1998.

Die DGAP erinnert sich an einen ausgewiesenen Arabienkenner, herausragenden Diplomaten und Menschenfreund, der der DGAP mit großem Wohlwollen zugetan war und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufmerksam und großzügig unterstützte.

Prägend für Reinhard Schlagintweit war insbesondere seine Zeit als deutscher Botschafter in Saudi-Arabien von 1976 bis 1979, eine Zeit, in der sich das Land – gefördert durch den Öl-Boom – modernisierte und öffnete. Als passionierter Fotograf hielt Reinhard Schlagintweit den Wandel auf seinen Reisen durch das Land in Bildern fest. Die DGAP profitierte in vielen Veranstaltungen, Debatten und Gesprächen von seiner Erfahrung und profunden Kenntnis der Region.

Dr. Arend Oetker: „Reinhard Schlagintweit war ein Diplomat in jeder Hinsicht. Er beobachtete und nahm wahr; er analysierte, beriet und teilte sein Wissen. In ihm verband sich außenpolitische Kompetenz und Klugheit mit Liebenswürdigkeit: In der DGAP erinnern wir uns an sein waches Bewusstsein für die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genauso wie an seine Bereitschaft, 1997 auf besondere Bitte hin noch einmal die große Aufgabe als geschäftsführender stellvertretender Präsident zu übernehmen. Wir erinnern uns mit Dankbarkeit an ihn.“

Reinhard Schlagintweit wurde am 12. März 1928 in München geboren. Mit nur 15 Jahren wurde er noch in den letzten Kriegsjahren als Flakhelfer eingezogen. Nach dem Krieg studierte er Jura und arbeitete anschließend zunächst in einer Bank, bevor er 1952 in den Auswärtigen Dienst eintrat. Nach einer ersten Station in der deutschen Botschaft in Ankara wechselte er 1958 zur deutschen Botschaft in Kabul. Gemeinsam mit einem britischen und einem amerikanischen Kollegen reiste der junge Diplomat 1960 durch die vom Westen damals noch weitgehend unentdeckte Provinz Nuristan südlich des Hindukusch – eine Reise, die die drei Freunde 46 Jahre später unter dem Titel „A Passage to Nuristan“ in Buchform dokumentierten, wiederum mit Fotos von Reinhard Schlagintweit.

Von 1963 bis 1967 war Reinhard Schlagintweit stellvertretender Botschafter in Bangkok. Anschließend leitete er bis 1971 das deutsche Informationsbüro in New York, gefolgt von fünf Jahren in der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes in Bonn. Nach seinem Einsatz als deutscher Botschafter in Saudi-Arabien leitete er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1993 die Politische Abteilung für Asien, Afrika, Lateinamerika und den Mittleren Osten im Auswärtigen Amt. Sein Einsatz für Menschenrechte spiegelte sich noch nach seiner Pensionierung in seinem langjährigen Einsatz als Vorsitzender des Deutschen UNICEF-Komitees bis 2005.